Neue Arzneien gegen Coronaviren

14.04.2021

Neue Arzneien gegen Coronaviren

Die Archillisferse von Corona-Viren? Schema einer SARS-CoV2-infizierten Zelle mit der Kristallstruktur der Hauptprotease (Main Protease) von SARS-CoV2 inhibiert durch die Modellsubstanz Boceprevir (PDB-ID: 6WNP). Bild: Prof. Dr. Felix Hausch
Die Archillisferse von Corona-Viren? Schema einer SARS-CoV2-infizierten Zelle mit der Kristallstruktur der Hauptprotease (Main Protease) von SARS-CoV2 inhibiert durch die Modellsubstanz Boceprevir (PDB-ID: 6WNP). Bild: Prof. Dr. Felix Hausch

Die derzeitige Pandemie verliefe weitaus weniger dramatisch, wenn Medikamente zur Bekämpfung von Sars-CoV-2 und seiner Mutanten zur Verfügung stünden. In dem jetzt bewilligten Pioneer-Fund-Projekt CoMaProtInhib beschäftigt sich ein Team um Professor Dr. Felix Hausch vom Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie der TU Darmstadt mit neuen Wirkstoffen gegen Coronaviren. CoMaProtInhib steht für „Coronavirus Main Protease Inhibitor“, denn die Wissenschaftler forschen an Substanzen, die ein bestimmtes Enzym, die sogenannte Hauptprotease, hemmen. Ohne dieses Enzym können sich die Viren in den Wirtszellen nicht vermehren. Bei dem Hemmstoff wird es sich um ein kleines Molekül handeln, das gut in die Zellen gelangt, dort an die Protease bindet und sie so inaktiviert.

Breitband-Wirkstoffe für die Pandemiebekämpfung

„Wir kennen die räumliche Struktur der Protease und wissen auch, wo ein Hemmstoff angreifen muss“, erklärt Hausch. Allerdings sei die molekulare Gestalt des Enzyms eine Herausforderung: „Die Angriffsstelle ist relativ offen.“ Hausch vergleicht das Andocken des Hemmstoffs mit dem Klettern an einer steilen Wand ohne Stufen. Mit derart komplizierten Angriffszielen für neue Medikamente kennen sich die TU-Biochemiker bereits bestens aus. Bislang haben sie vorrangig an Mitteln gegen Depressionen, chronische Schmerzen und Fettleibigkeit geforscht. Die dafür entwickelten Methoden des Wirkstoffdesigns wollen sie jetzt im Pioneer-Fund-Projekt einsetzen. Dass sie sich dabei auf die Hauptprotease als Zielmolekül konzentrieren, hat zwei Gründe: Zum einen neigt dieses Enzym nicht zu Mutationen – Resistenzen sind daher kaum zu befürchten. Zum anderen besitzen Hemmstoffe der Hauptprotease eine Breitbandwirkung, denn sie bekämpfen nicht nur Sars-CoV-2, sondern auch andere Coronaviren.

CoMaProInhib begann am 1. April. „Für die Bewältigung der aktuellen Pandemie ist das zwar viel zu spät“, sagt Hausch. Aber eine derart dramatische Lage, wie sie jetzt durch Sars-CoV-2 ausgelöst wurde, gelte es zukünftig zu verhindern. Antivirale Breitband-Medikamente sind dafür dringend erforderlich.

Links

>> Arbeitsgruppe Prof. Dr. Felix Hausch

>> Pioneer Fund zur Förderung von Innovationen

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