Andrea Belluati als Professor am Fachbereich Chemie ernannt
18.03.2026
Der 34-jährige Wissenschaftler forscht zu Biomaterialien, lebenden Materialien und Bottom-up-Synthetischer Biologie – einem Gebiet, das darauf abzielt, lebensähnliche Systeme von Grund auf zu konstruieren.
Belluati promovierte von 2016 bis 2020 an der Universität Basel. Anschließend war er als Postdoktorand an der UCT Prag, der University of Strathclyde und der TU Darmstadt tätig. Ab 2024 leitete er an der TU Darmstadt zunächst eine Athene-Young-Investigator-Gruppe, bevor er 2025 die Leitung einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe übernahm.
Die Einwerbung der Emmy-Noether-Förderung und der daraus folgende Übergang auf eine W1-Professur für „Biohybride Makromolekulare Materialien“ bilden einen zentralen Meilenstein seiner bisherigen Laufbahn. Wir haben Professor Belluati ein paar Fragen gestellt:
Warum sollten sich Studierende für Ihr wissenschaftliches Fachgebiet interessieren? Was macht es spannend?
Was dieses Fachgebiet so spannend macht, ist, dass wir nicht mehr darauf beschränkt sind, lebende Systeme von außen zu analysieren. Wir können beginnen, selbst lebensähnliche Systeme zu konstruieren. Die Bottom-up-Synthetische Biologie und lebende Materialien ermöglichen es Studierenden, künstliche Zellen und reaktionsfähige Materialien zu entwerfen, die wahrnehmen, sich anpassen und funktionieren können. Das verändert die Perspektive völlig: Wissenschaft wird nicht nur zu einem Weg, die Natur zu verstehen, sondern auch zu einem Weg, neue Formen davon zu erschaffen.
An der TU Darmstadt wird der Bedarf an Interdisziplinarität besonders betont. Welche Schnittstellen zu anderen Fakultäten gibt es in Ihrem Forschungsbereich?
Meine Forschung befindet sich an der Schnittstelle von Chemie, Biologie und Materialwissenschaften, geht aber natürlich darüber hinaus. Um künstliche Zellen zu bauen und sie in funktionale Materialien zu integrieren, kombinieren wir Polymerchemie, synthetische Biologie, Biophysik und Ingenieurwesen. Dies schafft starke Verbindungen nicht nur innerhalb der Naturwissenschaften, sondern auch zur Biomedizintechnik und zur angewandten Materialentwicklung. In diesem Sinne ist das Fachgebiet von Natur aus interdisziplinär: Mikroskopische Gestaltungsprinzipien müssen sich in makroskopische Funktionen umsetzen lassen.
An welcher Fachbereich würden Sie gerne einen Tag verbringen, um einen Eindruck davon zu bekommen? Warum?
Ich würde einen Tag im Fachbereich Architektur verbringen. Lebende und adaptive Materialien werden erst dann wirklich interessant, wenn sie die Mikroskala verlassen und beginnen, die Räume zu gestalten, in denen wir leben. Zu sehen, wie Architekten über Funktion, Umwelt und menschliche Erfahrung nachdenken, wäre faszinierend, denn genau auf dieser Ebene könnten reaktionsfähige und biologisch inspirierte Materialien eines Tages einen echten Einfluss haben.
Wenn ich heute Student wäre, würde ich…
Ich hätte noch weniger Angst davor, Fachgrenzen zu überschreiten. Einige der interessantesten wissenschaftlichen Entwicklungen finden heute in den Schnittstellen zwischen etablierten Fachgebieten statt, wo man gezwungen ist, neue Sprachen, Methoden und Denkweisen zu erlernen. Ich würde mir zwar nach wie vor ein solides Fundament wünschen, aber ich würde aktiv nach den Überschneidungsbereichen suchen, in denen wirklich Neues entstehen kann.
Der perfekte Ausgleich zu einem stressigen Arbeitstag ist …
Das Schreiben historischer Geschichten. Ganz aus dem Labor herauszutreten und in eine andere Epoche einzutauchen, um Geschichten und Figuren zu entwerfen, zwingt mein Gehirn dazu, sich vollständig von der Forschung zu lösen.
Homepage Prof. Dr. Andrea Belluati
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